KDE 3.3 vs Gnome 2.8

Nachdem sowohl KDE als auch das Gnome ihren jeweiligen Projekten gerade ein Update gegönnt haben dachte ich dies währe ein guter Zeitpunkt für einen kleinen Vergleich der beiden.
Beide Systeme sind inzwischen gut genug um den Platzhirschen Windows oder MacOS in Punkto Benutzerfreundlichkeit den Rang streitig zu machen, dennoch hat jedes so seine spezifischen Stärken und Schwächen. Genau diese möchte ich einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

KDE

Im KDE fällt als erstes die Verwandtschaft des allmächtigen Konqueror zum Explorer unter Windows auf. Wie unter Windows verwischt auch hier die Grenze zwischen Dateiverwalter und Webbrowser, wobei der Konqueror aufgrund der mächtigen KIO-Slaves bei der Verwaltung von Dateien nicht bei der lokalen Platte halt macht: Egal wo diese liegen, ob auf einer Windows-Freigabe, einem FTP-Server, NFS, WebDAV, ssh oder wasauch immer, es gibt keinen augenscheinlichen Unterschied zu lokalen Dateien.
Vorbei sind die Zeiten in denen Linux-lästerer über die Unfähigkeit per Copy/Paste Daten von einem ins andere Programm zu kriegen herziehen konnten, inzwischen wachsen die Tools längst auf viel höherer Ebene zusammen.
Das KAddressbook ist zentrale Sammelstelle für alle Informationen die mit Kontakten zu tun haben. Dort legen dann auch KMail (Email) oder Kopete (Instant Messaging) ihre Daten ab. KWallet speichert Passwörter und K3B brennt von CD-Rs und CD-RWs alles bis hin zu DVDs. JuK verwaltet in bester iTunes-Manier die Musiksammlung und Kaffeine spielt beinahe jedes bekannte Videoformat. Mit KDevelop steht unter KDE die wohl beste OpenSource Entwicklungsumgebung der Welt zur Verfügung, unterstützt von Tools zur Versionsverwaltung von Quellcodes (Cervisia) und graphischen Oberflächendesigntools (QtDesigner).
Insgesamt lässt sich sagen das KDE für jeden Geschmack das richtige bietet, doch dies kommt nicht ohne einen Preis: Die Vielfalt die KDE bietet ist oft zu groß. Alles lässt sich bis ins kleinste Detail durchkonfigurieren, was für den Profi praktisch bis nervig sein kann, für den Laien aber nur ein Problem darstellt, denn die Defaultwerte sind IMHO nicht immer die besten (zB Single-Klick zum öffnen von Dateien). Die Vielfalt setzt sich auch bei den Programmen fort, es gibt zB mehrere Bildbetrachter und -bearbeiter (KView, Kuickshow, KPaint, KolourPaint). Hier sollte vielleicht einmal aufgeräumt werden.

Gnome

Gnome stellt sich verglichen mit KDE auf Anhieb eher schlicht und aufgeräumt dar. Die meisten Optionen wurden dem Benutzer schon abgenommen damit dieser sich auf das Wesentliche beschränken kann. Auch die Auswahl an Programmen ist deutlich besser als bei KDE, maximal ein Programm für einen jeweiligen Zweck wird mitgeliefert. Im “Startmenü” finden sich diese dann auch nicht unter ihrem jeweiligen Namen sondern ihrer Funktion (zB “Webbrowser” statt “Epiphany”).
Der Dateibrowser Nautilus ist mit der Gnome Version 2.6 zu einem Ein-Fenster-Pro-Verzeichnis-Ansatz, der ursprünglich wohl vom MacOS stammt, seinerzeit von Windows 95 schlecht kopiert wurde und im Augenblick unter MacOS X allmählich ausrangiert wird, gewechselt. Als Mac-User sehe ich diesen Ansatz durchaus positiv, auch wenn sich die Fenster dadurch schnell auf dem Desktop stapeln. Um jedoch wirklich sinnvoll zu sein fehlen noch die (ebenfalls aus dem Mac-UI stammenden) Spring-Loaded-Folders. Hierbei öffnet sich ein Verzeichnis (Ein Fenster springt auf) wenn eine oder mehrere Dateien per Drag’n'Drop darüber gezogen werden. So lassen sich Dateien schnell von A nach B über mehrere Verzeichnisse hinweg bewegen (Apple hat sich dies jedoch patentieren lassen, vielleicht wurde es deswegen nicht bereits implementiert). Wer auf diesen sogenannten “Spatial Mode” verzichten möchte kann den Nautilus per Menü auch dauerhaft in eine Browseransicht bringen.
Auch bei Gnome wächst zusammen, was zusammengehört. Evolution ist zuständig für Mail, Kontakte und Termine und soll diese Daten in Zukunft zB gAIM (Instant Messaging) oder der Systemuhr (für Termine) zur Verfügung stellen.
Bei Gnome stören eher die kleinen Dinge des Lebens: Zwar kennt Gnome auch das Prinzip des Virtual File Systems und kann Samba, FTP, NFS, usw Freigaben direkt ansprechen, jedoch ist der Zugriff weitaus instabiler als unter KDE und zum Teil (zB bei FTP) nur Read-Only.
Auch störend empfinde ich fehlende Funktionen wie einen Programmwechsel per Tastenkombo (üblicherweise Alt-Tab) über Programme auf ALLEN Arbeitsflächen (Unter Gnome funktioniert dies nur zwischen Programmen auf dem aktuellen Workspace) oder keine Möglichkeit Fenster vom Displayrand anziehen zu lassen. Details, zugegeben, aber in der Summe doch eine nervige Sache.
Desweiteren finde ich (rein subjektiv) dass das Zeichnen von Elementen in GTK deutlich langsamer von statten geht als bei Qt.

Kommentar hinzufügen 21.01.2004

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